Einleitung
Die Implementierung von SAP Cloud ERP stellt Unternehmen vor grundlegende Veränderungen – sowohl in der Projektlogik als auch in den erforderlichen Kompetenzen. Anders als bei klassischen On-Premise-Implementierungen geht es nicht darum, bestehende Prozesse eins zu eins im System abzubilden. Vielmehr bildet die SAP Best-Practice-Logik den Ausgangspunkt, wodurch ein Perspektivwechsel in der Projektplanung und Prozessgestaltung erforderlich wird. Dieser Artikel untersucht die Implikationen für Unternehmen, Fachbereiche und Implementierungspartner und skizziert ein methodisches Vorgehen für eine erfolgreiche Cloud-ERP-Transformation.
Perspektivwechsel in der Implementierung
Traditionelle SAP-Projekte zeichnen sich häufig durch die detaillierte Aufnahme bestehender Abläufe und deren passgenaue Systemabbildung aus. SAP Cloud ERP hingegen verfolgt einen standardisierten Ansatz: Der Fokus liegt auf Best Practices, die SAP über Jahre in internationalen Projekten entwickelt hat.
Dieser Ansatz führt zu einer veränderten Systematik:
- Fit-to-Standard-Prinzip: Prozesse werden nicht lediglich übernommen, sondern auf ihre Übereinstimmung mit dem SAP-Standard geprüft.
- Prozess- und Rollenorientierung: Historisch gewachsene Abläufe werden hinterfragt, Rollen neu definiert und Verantwortlichkeiten klar zugeordnet.
- Funktionale Zielbilder: Die zentrale Frage lautet nicht nur, welche Funktionen SAP bietet, sondern welches Zielbild wirtschaftlich, stabil und zukunftssicher ist.
Neue Anforderungen an Kompetenzen
Die Einführung von SAP Cloud ERP erfordert ein verändertes Kompetenzprofil sowohl bei Unternehmen als auch bei Implementierungspartnern:
- Fachliche Analysefähigkeit: Die entscheidende Kompetenz liegt darin, zu unterscheiden, welche Anforderungen aus dem Geschäftsmodell resultieren und welche Abläufe historisch gewachsen sind und angepasst werden können.
- Gestaltungsfähigkeit im Prozessmanagement: Die Fit-to-Standard-Phase wird zur strategischen Gestaltungsaufgabe. Abweichungen vom Standard sind nicht automatisch Systemlücken, sondern Indikatoren für notwendige organisatorische Anpassungen.
- Urteilsvermögen bei Erweiterungen: Prozessabweichungen lassen sich entweder durch Anpassung des Operating Models oder gezielte Erweiterungen des Core ERP lösen. Dies erfordert ein fundiertes Verständnis für Standardisierung und fachlich begründete Ergänzungen.
Lösungsstrategien für Prozessabweichungen
Unternehmen haben im Wesentlichen zwei Wege, um Standardabweichungen zu adressieren:
- Anpassung des Operating Models: Prozesse, Freigaben, Datenverantwortung und Rollen werden an die SAP Best-Practice-Logik angepasst.
- Gezielte Erweiterung des Core ERP: Ergänzungen erfolgen durch Side-by-Side-Extensions, zusätzliche SAP-Lösungen oder Drittsysteme auf Basis der SAP Business Technology Platform (BTP).
Beide Ansätze erfordern eine fundierte Entscheidung darüber, wo Standardisierung Komplexität reduziert und wo Ergänzungen fachlich notwendig sind.
Methodisches Vorgehen
Ein strukturierter Implementierungsansatz beginnt mit einer umfassenden Analyse der zukünftigen Prozess- und Systemlandschaft:
- Wertströme identifizieren: Welche Geschäftsprozesse sind für den Unternehmenserfolg entscheidend?
- Rollen und Verantwortlichkeiten definieren: Wer trägt welche Prozessverantwortung?
- Steuerungslogik ableiten: Welche organisatorischen und systemseitigen Mechanismen sind erforderlich, um die Prozesse zu unterstützen?
Auf dieser Basis wird das Digital Discovery Assessment fachlich vorbereitet und die relevanten Scope Items abgeleitet.
Fazit
Die Implementierung von SAP Cloud ERP ist mehr als eine technische Einführung – sie ist eine organisatorische Transformation. Der Projekterfolg hängt entscheidend davon ab, dass der Implementierungsscope aus einem durchgängigen Bild des künftigen Arbeitens abgeleitet wird und nicht aus einer Sammlung einzelner Funktionen. Unternehmen, die diesen Ansatz verfolgen, profitieren von einer wirtschaftlich tragfähigen, stabilen und zukunftssicheren SAP Cloud ERP-Lösung.